{"id":389,"date":"2026-10-30T16:19:17","date_gmt":"2026-10-30T15:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/powersmartcoat.de\/?p=389"},"modified":"2026-10-30T16:38:32","modified_gmt":"2026-10-30T15:38:32","slug":"glaser-verfahren-din-4108-3-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pscoat.ro/en\/glaser-verfahren-din-4108-3-grenzen\/","title":{"rendered":"Glaser method under DIN 4108-3: what it calculates and where it ends"},"content":{"rendered":"<p>Das Glaser-Verfahren beantwortet genau eine Frage: F\u00e4llt unter festgelegten Winterbedingungen durch Dampfdiffusion Tauwasser im Bauteil aus, und kann es im Sommer wieder austrocknen? Es ist das Kernst\u00fcck des rechnerischen Nachweisverfahrens der DIN 4108-3 zum Feuchteschutz. Wer ein Ergebnis liest, sollte wissen, was in die Rechnung eingeht und was nicht.<\/p>\n<h2>Zwei Jahreszeiten, feste Randbedingungen<\/h2>\n<p>Gerechnet wird station\u00e4r, also mit konstanten Bedingungen \u00fcber die ganze Periode. Die Tauperiode l\u00e4uft \u00fcber 90 Tage von Dezember bis Februar, die Verdunstungsperiode \u00fcber 90 Tage von Juni bis August. F\u00fcr den Sommer sind keine Au\u00dfentemperaturen vorgegeben, nur Dampfdr\u00fccke.<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Periode<\/th>\n<th>Au\u00dfen<\/th>\n<th>Innen<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Tauperiode (Dezember bis Februar)<\/td>\n<td>\u22125 \u00b0C, 80 % relative Feuchte, 321 Pa<\/td>\n<td>20 \u00b0C, 50 % relative Feuchte, 1.168 Pa<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Verdunstungsperiode (Juni bis August)<\/td>\n<td>Dampfdruck 1.200 Pa<\/td>\n<td>Dampfdruck 1.200 Pa; in den Tauwasserebenen von Au\u00dfenw\u00e4nden S\u00e4ttigungsdampfdruck 1.700 Pa<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Werte der Tabelle gibt BauNetz Wissen als normative Randbedingungen wieder; die Seite nennt keine Ausgabe. Dass solche Werte zwischen Normausgaben wechseln, zeigt ein R\u00fcckblick: Das Fraunhofer IBP beschrieb 1999 f\u00fcr die damals g\u00fcltige Norm noch \u221210 \u00b0C Au\u00dfentemperatur \u00fcber 60 Tage. Heute liegt DIN 4108-3 in der Ausgabe 2024-03 vor, die laut DIN Media die Ausgabe 2018-10 ersetzt. Bei einem Nachweis z\u00e4hlen die Werte der Ausgabe, die im Projekt vereinbart ist.<\/p>\n<p>Aus dem Schichtaufbau ermittelt man von innen nach au\u00dfen die Temperaturen und daraus den S\u00e4ttigungsdampfdruck. Dieser wird dem Verlauf des tats\u00e4chlichen Dampfdrucks gegen\u00fcbergestellt. Die Norm unterscheidet je nach Lage der beiden Kurven vier F\u00e4lle, vom fehlenden Tauwasserausfall bis zum Ausfall in einem ganzen Bereich.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist eine Bilanz. Zuerst wird ermittelt, ob und in welcher Schicht Tauwasser in welcher Menge ausf\u00e4llt; danach wird die Verdunstungsmenge des Sommers dagegengestellt. Gepr\u00fcft wird, ob das eingetragene Tauwasser in der Verdunstungsperiode wieder vollst\u00e4ndig austrocknen kann und wie viel Trocknungsreserve gegen\u00fcber unplanm\u00e4\u00dfig eingebrachter Feuchte bleibt.<\/p>\n<h2>Die Rolle des sd-Werts<\/h2>\n<p>Der sd-Wert ist das Produkt aus der Schichtdicke in Metern und der Diffusionswiderstandszahl \u03bc des Stoffs; er beschreibt, wie stark eine Schicht der Verdunstung von Wasser entgegenwirkt. Bei mehrschichtigen Bauteilen wird er schichtenweise ermittelt und addiert. Damit bestimmt er, wo im Querschnitt der Dampfdruck abf\u00e4llt und ob sich Dampfdruck- und S\u00e4ttigungskurve ber\u00fchren. F\u00fcr Flachd\u00e4cher aus Holz formuliert BauNetz Wissen die Regel, dass in der Schichtenabfolge von Folien oder Bahnen die sd-Werte von innen nach au\u00dfen abnehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Daraus folgt f\u00fcr die Praxis: Eine Schicht mit hohem sd-Wert auf der Au\u00dfenseite bremst im Sommer die R\u00fccktrocknung, eine auf der Innenseite bremst den Dampfeintrag im Winter. Wie ein Beschichtungshersteller den sd-Wert angibt, zeigt der Beitrag zu den <a href=\"https:\/\/powersmartcoat.de\/datenblatt-lesen-was-v-und-w-klassen-wirklich-sagen\/\">V- und W-Klassen im Datenblatt<\/a>.<\/p>\n<h2>Was als unsch\u00e4dlich gilt<\/h2>\n<ul>\n<li>Das im Winter anfallende Wasser muss in der Verdunstungsperiode wieder an die Umgebung abgegeben werden.<\/li>\n<li>Baustoffe, die mit dem Tauwasser in Ber\u00fchrung kommen, d\u00fcrfen nicht gesch\u00e4digt werden, etwa durch Pilzbefall oder Korrosion.<\/li>\n<li>In Dach- und Wandkonstruktionen soll die ausfallende Tauwassermasse im Allgemeinen h\u00f6chstens 1,0 kg\/m\u00b2 betragen.<\/li>\n<li>Enth\u00e4lt das Bauteil Schichten, die Wasser nicht kapillar aufnehmen, gelten h\u00f6chstens 0,5 kg\/m\u00b2. Dazu z\u00e4hlen Folien, Metalle, Normalbeton sowie Mineralwolle und Kunststoffschaum.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nicht jede Wand muss \u00fcberhaupt gerechnet werden. Nach der Darstellung von BauNetz Wissen entf\u00e4llt der Nachweis zum Beispiel bei raumseitig verputzten Au\u00dfenw\u00e4nden mit zugelassenem W\u00e4rmed\u00e4mmverbundsystem und bei Innend\u00e4mmung mit Innenputz bis R \u2264 1,0 m\u00b2K\/W, wenn der Aufbau zus\u00e4tzlich einen sd,i-Wert von mindestens 0,5 m hat. Ma\u00dfgeblich bleibt der Normtext. Das Geb\u00e4udemodernisierungsgesetz nennt in \u00a7 11 f\u00fcr zu errichtende Geb\u00e4ude weiterhin die Ausgabe DIN 4108-3: 2018-10.<\/p>\n<h2>Was die Rechnung nicht sieht<\/h2>\n<p>Das Periodenbilanzverfahren ist ein stark vereinfachtes Nachweisverfahren f\u00fcr Diffusionsprozesse. BauNetz Wissen nennt als unber\u00fccksichtigt:<\/p>\n<ul>\n<li>realistische, ver\u00e4nderliche Klimarandbedingungen,<\/li>\n<li>erh\u00f6hte Feuchtelasten, etwa durch Baufeuchte oder nach Bausch\u00e4den,<\/li>\n<li>Einfl\u00fcsse aus Strahlungsw\u00e4rme,<\/li>\n<li>feuchtevariable Materialkennwerte wie Diffusionswiderstand und W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit,<\/li>\n<li>Feuchtespeicherung und -transport durch Sorption und Kapillarleitung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ebenfalls au\u00dfen vor bleibt der Fl\u00fcssigwassertransport. Auch Konvektion deckt die Diffusionsrechnung nicht ab: Durch Leckagen im raumseitigen Bereich kann warme, feuchte Innenluft in die Konstruktion str\u00f6men. Ausgleichsfeuchte und Nutzerverhalten fehlen ebenso. F\u00fcr klimatisierte Wohn- oder wohn\u00e4hnliche Nutzungen gelten die Rechenans\u00e4tze der Norm ausdr\u00fccklich nicht.<\/p>\n<p>Die Normwerte selbst, etwa \u22125 \u00b0C \u00fcber 90 Tage, erscheinen laut BauNetz Wissen nicht in allen Teilen Deutschlands realit\u00e4tsnah, enthalten aber Sicherheiten.<\/p>\n<h2>Bestandsw\u00e4nde: wo das Ergebnis d\u00fcnn wird<\/h2>\n<p>Bei einer Bestandswand kennt man Aufbau und Kennwerte oft nur ungef\u00e4hr, und die Wand ist selten so trocken wie im Rechenmodell. Das Verfahren arbeitet mit festen Kennwerten. Wasser, das als Schlagregen oder durch Kapillarit\u00e4t in die Wand gelangt, taucht in der Rechnung nicht auf; das folgt aus dem fehlenden Fl\u00fcssigwassertransport.<\/p>\n<p>Reicht das vereinfachte Verfahren f\u00fcr eine ausreichend genaue Bewertung nicht aus, sieht DIN 4108-3 die hygrothermische Simulation nach DIN EN 15026 vor. Sie simuliert das Bauteilverhalten \u00fcber mehrere Jahre unter realit\u00e4tsnahen Klimarandbedingungen. Wo Bestandsw\u00e4nde von innen ged\u00e4mmt werden sollen, ordnet der Beitrag zur <a href=\"https:\/\/powersmartcoat.de\/innendaemmung-wta-nachweis\/\">Innend\u00e4mmung im Bestand<\/a> das Zusammenspiel von Nachweisen und WTA-Merkbl\u00e4ttern ein.<\/p>\n<p>Ein bestandenes Glaser-Diagramm belegt demnach, dass die Diffusion unter Normbedingungen unkritisch bleibt. Es belegt nicht, dass die Wand trocken ist, dass die Luftdichtheit stimmt oder dass Schlagregen abgehalten wird. Bei Bestandsw\u00e4nden ist die Rechnung nur so belastbar wie die Annahme \u00fcber die vorhandenen Schichten.<\/p>\n<hr>\n<h3>Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.dinmedia.de\/en\/standard\/din-4108-3\/373925063\" rel=\"noopener\">DIN 4108-3:2024-03 (DIN Media)<\/a> \u2013 Ausgabe 2024-03, ersetzt DIN 4108-3:2018-10; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ibp.fraunhofer.de\/content\/dam\/ibp\/ibp-neu\/de\/dokumente\/ibpmitteilungen\/1-400\/301-400\/355_IBPmitteilung.pdf\" rel=\"noopener\">Dampfdiffusionsberechnung nach Glaser &#8211; quo vadis? (Fraunhofer IBP, IBP-Mitteilung 355)<\/a> \u2013 26 (1999), Neue Forschungsergebnisse, kurz gefa\u00dft<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/bauphysik\/fachwissen\/feuchteschutz\/tauwasser-und-glaser-verfahren-4421843\" rel=\"noopener\">Tauwasser und Glaser-Verfahren (BauNetz Wissen)<\/a> \u2013 Seite ohne Datumsangabe; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/bauphysik\/fachwissen\/feuchteschutz\/normativer-rechenweg-randbedingungen-7483496\" rel=\"noopener\">Normativer Rechenweg: Randbedingungen (BauNetz Wissen)<\/a> \u2013 Seite ohne Datumsangabe; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/bauphysik\/fachwissen\/feuchteschutz\/sd-wert-4384605\" rel=\"noopener\">Sd-Wert (BauNetz Wissen)<\/a> \u2013 Seite ohne Datumsangabe; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/glossar\/s\/sd-wert-1135557\" rel=\"noopener\">sd-Wert, Glossar (BauNetz Wissen)<\/a> \u2013 Seite ohne Datumsangabe; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/bauphysik\/fachwissen\/feuchteschutz\/nachweisfreie-konstruktionen-des-feuchteschutzes-4828674\" rel=\"noopener\">Nachweisfreie Konstruktionen des Feuchteschutzes (BauNetz Wissen)<\/a> \u2013 Seite ohne Datumsangabe; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/bauphysik\/fachwissen\/feuchteschutz\/din-4108-3-die-grenzen-der-anwendbarkeit-im-feuchteschutz-4794266\" rel=\"noopener\">DIN 4108-3: Die Grenzen der Anwendbarkeit im Feuchteschutz (BauNetz Wissen)<\/a> \u2013 bezieht sich auf DIN 4108-3, Fassung Oktober 2018; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/holz\/fachwissen\/waerme--und-feuchteschutz\/rechnerischer-nachweis-des-tauwasserschutzes-8607305\" rel=\"noopener\">Rechnerischer Nachweis des Tauwasserschutzes (BauNetz Wissen Holz)<\/a> \u2013 Quellenangabe der Seite: Holzbau-Handbuch, 2. Auflage 01\/2023; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.baunetzwissen.de\/glossar\/h\/hygrothermik-7558180\" rel=\"noopener\">Hygrothermik, Glossar (BauNetz Wissen)<\/a> \u2013 Seite ohne Datumsangabe; abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/geg\/__11.html\" rel=\"noopener\">\u00a7 11 Mindestw\u00e4rmeschutz, Geb\u00e4udemodernisierungsgesetz (GModG)<\/a> \u2013 Fassung auf gesetze-im-internet.de, abgerufen am 30.10.2026<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Glaser method (DIN 4108-3) checks condensation in building elements under fixed winter and summer values, and where it ends for existing walls.<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":390,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-389","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bauphysik"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/powersmartcoat.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/psc-blog-foto-glaser-verfahren-din-4108-3-grenzen.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/389","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=389"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/389\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":410,"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/389\/revisions\/410"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/390"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=389"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=389"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.ro/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=389"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}